Folge #9 – Warum Wachstum nicht alles ist

5. März 2020

Suffizienz? Subsistenz? Konvivialität? Noch nie gehört? Dann wird es Zeit, auf Kathrin Königls Plattform Wandelmut Würzburg vorbeizuschauen. Die freischaffende Informationsdesignerin und Fotografin rief Wandelmut 2016 ins Leben und versammelt Projekte in Würzburg, die man unter dem Begriff “Postwachstum” zusammenfassen könnte: ein Fablab, ein Repaircafé, Kleidertausch, Foodsharing und vieles mehr. 

“In Würzburg” geht etwas, weiß die 34-Jährige gebürtige Würzburgerin. Viele Menschen engagieren sich hier ehrenamtlich in Projekten, die unser Bewusstsein für einen verträglicheren Konsum schärfen sollen. Spannend: Ein Laden, in dem man sich einfach aufhalten kann, ohne etwas bestellen zu müssen. Man kann dort sein, Spiele spielen, sich mit den anderen Besucher*innen austauschen, wie ein verlängertes Wohnzimmer. 

“3-5 Prozent der Menschen fangen mit Veränderungen an, irgendwann kommen auch die anderen aus ihrer Komfortzone.”

Das Ehrenamt ist im wahrsten Sinne des Wortes ehrenwert. Königl weiß aber auch, dass es manchmal mehr braucht als das Schulterklopfen und Bekundungen, dass man schon etwas gutes mache: “Die Projekte sind so mit ihrer eigenen Arbeit beschäftigt, dass Marketing und Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr möglich sind.” Mit Wandelmut schuf sie eine Plattform, die den Beteiligten zu einer höheren Sichtbarkeit verhelfen sollte. Mehr Menschen können auf die Projekte aufmerksam werden, sich vielleicht beteiligen. 

Auch wenn mit der Umweltstation schon gute Infrastrukturen seitens der Stadt vorhanden sind – hier kann man Fahrräder reparieren, Urban Gardening wird hier betrieben und der Ort dient zur Vernetzung ähnlich gelagerter Projekte -, gibt es in Würzburg, wie in vielen anderen Kommunen, noch Luft nach oben. Das geplante, weltweit erste Zukunftshaus ist der nächste Schritt. Wir dürfen also gespannt bleiben, mit was Würzburg in Sachen Postwachstumsprojekten noch aufwarten wird. 

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Fotographie: Thomas Pirot