Innovation

Neue Wohnkonzepte begegnen sich

9. Juli 2019

2018 rückten MINI LIVING und Studiomama beim Mailänder Salone del Mobile das Prinzip der Teilhabe in den Vordergrund.

Oke Hauser ist Creative Lead bei MINI LIVING. Seit 2016 widmet sich die Initiative der Erforschung von Raumlösungen, die auf die architektonischen Herausforderungen in unseren Städten reagieren: zunehmende Urbanisierung, das Aufkommen der Megacities sowie der fortwährende Anstieg von Preisen auf dem Wohnungsmarkt. Kompakte Wohnmodelle, die darüber hinaus auch den ökologischen Fußabdruck reduzieren, werden zweifelsohne immer wichtiger. Über die gemeinsame Installation mit dem Londonder Deisgnbüro Studiomama sagt er: „Mit dem Aufbrechen des Designprozesses wollten wir die konventionelle Rollenverteilung ‚Architekt versus Kunde‘ infrage stellen und Bewohnern die Möglichkeit geben, ihren Wohnraum nach ihren eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen konfigurieren zu können.“


Das modulare Wohnkonzept lässt sich individuell auf die Bedürfnisse seiner Bewohner abstimmen.

„Unser Wohnen und Leben unterliegt aktuell einem großen Umbruch. Aber anstatt das Problem in der zunehmenden Beliebtheit und Preissteigerung von Städten zu sehen, könnten – und sollten – wir uns auf die positiven Aspekte konzentrieren und die Gelegenheit nutzen, neue Arten nachhaltigen, kollaborativen und flexiblen Zusammenlebens zu gestalten. Mit den richtigen Ideen kann das Wohnen in der Stadt wieder richtig Spaß machen!“, verriet uns Nina Tolstrup von Studiomama. 

„Built by All“ machte sich ein altes Industriegebäude zunutze, das in Tortona, Mailands bekanntem Designviertel, steht. Die einladende Installation verfügte über vier 15–20 Quadratmeter große, modulare Einheiten, die an einen Gemeinschaftsbereich anschließen, zu dem eine Community-Küche, ein Atrium in Form eines Amphitheaters, ein Garten sowie ein Freiluft-Fitnessstudio gehören. Die vier Wohnmodule unterschieden sich in Form, Farbe und Material, entsprechend der Vorstellungen ihrer unterschiedlichen Bewohner. Die freistehenden Elemente waren ähnlich „der Innenräume von Booten und Wohnmobilen gestaltet, um möglichst viel auf möglichst wenig Platz unterzubringen“. Eine verschiebbare Außenhülle gibt Geborgenheit und Privatsphäre, aber auch die Möglichkeit seinen persönlichen Kokon für andere zu öffnen. 

Das Pionier-Konzept richtete sich an junge Städter, aber auch an ältere Menschen, die sich wünschen, unter Leuten zu leben. „Das Prinzip funktioniert für alle Lebensstationen: Familien können den Fitnessbereich durch einen Spielplatz ersetzen und Senioren können sich als integraler Bestandteil der Community verstehen.“, sagte Tolstrup, die demokratisches, gutes Design für alle zu ihrer persönlichen Leidenschaft erklärt hat.

Die Installation von MINI LIVING wurde noch um eine „Factory of Ideas” ergänzt. Hier können Besucher „sich kreativ austoben und ihre eigenen Wohnvisionen als Modell umsetzen“, verrät Hauser während er die ersten Ergebnisse bestaunte. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Qualität des Wohnraums davon abhängt, wie gut sich Bewohner mit ihrem Zuhause identifizieren können.”



Auf die Installation „Breathe“ von 2017 Jahr und „Built by All“ folgt nun die Umsetzung in die Praxis. 2019 eröffnet in Shanghai der erste bewohnbare MINI Co-Living Space auf 8000 Quadratmetern. Weitere Infos auf der Website von MINI LIVING.

Während „Built by All” MINI LIVING und das Londoner Designstudio Studiomama erstmals zusammenbrachte, kollaborieren Freunde von Freunden und MINI LIVING bereits seit einiger Zeit, um Visionen für das städtische Leben zu thematisieren. In unserem Porträt mit Creative Lead Oke Hauser erfahrt ihr mehr MINI LIVING sowie die innovative Zusammenarbeit mit internationalen Designern und Architekten. 



Text: Claudia Mandelli
Fotografie: Valeria Cherchi