Ideen und Projekte

Höher, schneller, weiter – fünf chinesische Bauwunder

10. September 2019

Die Umsetzung großer Bauprojekte und Architektur, die alle Regeln bricht, gehört in China zum Alltag. Hier werden Wolkenkratzer in Rekordzeit aus dem Boden gezogen und das Unmögliche wird möglich gemacht. 

Die längste Meeresbrücke der Welt

Über sechs Spuren zieht sich die 55 Kilometer lange Hong Kong-Zuhai-Macao Bridge im Süden Chinas. Mit Kosten um die 15 Milliarden Euro und einer Bauzeit von neun Jahren wurde sie 2018 fertiggestellt. Die Brücke dient vor Allem für den Transport von Wirtschaftswaren. Wollen jedoch die Bewohner aus Hongkong die Brücke überqueren, müssen sie sich eine teure Lizenz besorgen. Unter den Arbeitern, die die Brücke bauten, trägt sie auch den Namen „Blut-und-Tränen-Brücke“. Bei den Bauarbeiten kam es zu zahlreichen Todesopfern.

Mehr als nur gestapelte Bücher

Die schönste Bibliothek Chinas, steht, glaubt man dem Nachrichtensender CNN, in der Hafenstadt Tianjin südöstlich von Peking. Die Fläche der Tianjin Binhai Bibliothek beträgt 33,700m² und beherbergt 1,2 Millionen Bücher. Das niederländische Architekturbüro MVRDV hat den futuristischen Bau entworfen und wickelte das Projekt in nur drei Jahren ab. In der Mitte des Raums befindet sich das spektakuläre „Auge“ des Gebäudes, eine große Kugel mit einer reflektierenden Oberfläche.

Im Eiltempo zum Mega-Flughafen in Peking

Noch in diesem Jahr soll nach nur fünf Jahren Bauzeit der zweitgrößte Flughafen der Welt eröffnet werden. Er umfasst 700.000m² Terminalfläche, das sind umgerechnet ca. 98 Fußballfelder und nur der Flughafen in Istanbul ist noch größer. Bis 2025 wird mit 75 Millionen Reisenden pro Jahr gerechnet und ca. 630.000 Flügen.

Shanghai löst ein Platzproblem

Der Shanghai Tower ist nicht nur das dritthöchste Gebäude der Welt, sondern gilt auch als vertikale Stadt und Arbeitsplatz für 30.000 Menschen. Das Gebäude umfasst rund 127 Stockwerke und beanspruchte eine Bauzeit von sieben Jahren. Wolkenkratzer sind in Asien eine Notwendigkeit, weil Hunderte Millionen Menschen in den Städten leben. Der Raum in den Städten will also effizient genutzt sein. Shanghai gilt als Wirtschaftszentrum Chinas, allein der Verkehr im Stadtzentrum vervierfachte sich innerhalb eines Jahrzehnts.

Pekings gefalteter Wolkenkratzer

Das Sendezentrum des chinesischen Staatsfernsehens (CCTV) in Peking gilt seit seiner Fertigstellung in 2012 als architektonisches Meisterwerk. Entworfen wurde es von OMA, dem Büro des niederländischen Architekten Rem Kolhaas. Wegen der Form des Gebäudes gab es Anfangs große Bedenken. Ein Team aus Statikern musste ein Jahr lang prüfen, ob der Bauplan funktionieren würde. Nach Vollendung des Baus betrachtet man die beiden L-förmigen Türme, die sich in 160 Meter Höhe vereinen, und es wirkt, als könnten sie Schwerkraft aufheben. Die Chinesen nennen den Bau “Da Kucha” – die große Unterhose.

Text: Charlotte Hölter