Feature

Geräumigkeit auf kleiner Fläche

5. August 2019

Die MINI LIVING Urban Cabin
– ein temporäres Zuhause, ausgerichtet nach den Bedürfnissen der Stadtbewohner. 

Denkt man an typische Behausungen in Los Angeles, kommen einem Strandbungalows, Canyon-Hütten und die Architekturikonen der klassischen Moderne in den Sinn. Das Leben hier wird nur selten mit dem „Downtown Apartment“ assoziiert, das dem eigentlichen Lebensstil in dieser enorm ausgedehnten Stadt wohl am nächsten kommt. All dies befindet sich allerdings im Wandel: Wie viele andere Städte erfährt auch Los Angeles eine hohe Zuwanderung, die den Bedarf an kreativen Wohnlösungen steigen lässt. MINI LIVING hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche Lösungen in Installationen und temporären Räumen auszuprobieren. In Los Angeles tat sich MINI LIVING 2018 mit den Architekten von FreelandBuck zusammen.

Die Installation auf dem Dach des Einkaufskomplexes ROW DTLA folgte dem Leitsatz von MINI LIVING: “Big Life, Small Footprint”. Sie nutzte möglichst wenig Raum und erreichte einen maximalen Effekt. In die minimalistische Fassade der Cabin war ein dreidimensionaler Eingangsbereich eingelassen, der die Illusion eines ausgedehnten Raumes erzeugte. Im Innenbereich sorgte eine perforierte Verkleidung für eine Modularität, die unterschiedlichste Nutzungsmöglichkeiten auf nur 15 Quadratmetern unterbrachte. 

„Wir haben uns Gedanken über typische Konstruktionsweisen gemacht, die man in Los Angeles findet, beispielsweise an Filmsets. Wir wollten aber etwas, das weniger formell und weniger temporär ist; gleichzeitig sollte der Mittelraum eine kollektive Erfahrung ermöglichen und visuell einnehmend wirken“, so Brennan Buck, der mit David Freeland das Architekturbüro FreelandBuck gegründet hat. Mithilfe grafischer Elemente erweiterten die beiden den Eingangsbereich der Cabin perspektivisch: „Wir wollten austesten, wie eine flache, zweidimensionale Grafik auf unsere Wahrnehmung einwirken und die Illusion von Raum erzeugen kann.“

Zusammen mit Corinna Natter, Designerin bei MINI LIVING, entwickelte das Duo eine bewohnbare Struktur, in der sich Form und Funktion verbinden – in diesem Fall war das der kaleidoskopartige Eingangsbereich oder „Erlebnisraum“ mit einem funktionellen Inneren, das sich gleichermaßen nach Außen hin verlängern oder für private Momente verschließen ließ. 

„Im Vordergrund stehen das Spiel mit Licht und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort, in Los Angeles“, sagt Corinna Natter, die das Schnittmuster der Innenverkleidung entworfen hat. Teile der Wand ließen sich wie Geheimtüren aufziehen und beispielsweise in einen Esstisch oder einen provisorischen Handtuchhalter verwandeln. Sogar das Bett konnte – für eine Nacht unter Sternen – durch die Wand in den Außenraum gleiten.

Inspiration boten auch die berühmten Sonnenuntergänge der Stadt. Corinna Natter entschied sich für ein Dunkelorange im Küchenbereich der Cabin und spielt auf die Geschichte des ROW DTLA an, mit seinem seit 1920 betriebenen Obstmarkt. Hinzu kamen versetzbare blaugrüne Regalböden und der von FreelandBuck gestaltete Eingangsbereich, dessen Farbspiel mit der „Goldenen Stunde“ am Himmel von Los Angeles korrespondierte.

„Wir wollten die Stimmung eines Innenhofs oder eines Gartens erzeugen.“, ergänzt Buck und bezieht sich auf den Mangel an Grünflächen, mit dem sich die meisten Metropolen konfrontiert sehen. „Wir lassen in der Installation Pflanzen von der Decke hängen, um so gut wie möglich ein Gefühl das Draußenseins zu vermitteln.“

Die Urban Cabin zeigte: Auch wenn Städte wachsen, müssen nicht die immergleichen Strukturen repliziert werden. „Auf kleinem Raum zu leben, sollte begehrenswert und aufregend werden.“, so Brennan Buck. „Es gibt einen hohen Effizienzdruck wenn es um Kosten und Platz geht, wir aber glauben, dass es Architektur geben muss, die weit mehr ist, als einfach nur effizient.“

Darüber hinaus diente die Urban Cabin als Prototyp für einen „Co-Living Hub“, der 2019 in Shanghai eröffnen wird. Ein gemeinschaftlicher Ort zum Leben und Arbeiten, der, ebenso wie die Urban Cabin, gleichermaßen Privatsphäre als auch Nachbarschaft ermöglicht und von denen es in Zukunft möglicherweise noch mehrere geben wird. „Uns beschäftigt wie sich Städte verändern“, sagt Corinna Natter, „und welche Veränderungen wie selbst gerne sehen würden.“

Während unsere Städte einem fortlaufenden Wandel unterliegen, arbeitet MINI LIVING an Antworten auf die urbanen Herausforderungen der Gegenwart. Dafür involvieren sie lokale Communities und Architekturbüros, wie FreelandBuck in Los Angeles. Die Route der Urban Cabin Tour führte insgesamt zu fünf Stationen, neben L.A., wurden noch Tokyo und Shanghai besucht und auch dort wurden die lokalspezifischen Cabins von ortansässigen Architekten mitgestaltet.

Die Urban Cabin Tour ist war eine von mehreren MINI LIVING Initiativen, die sich der kreativen Raumnutzung in urbanen Zentren widmet. Im Frühjahr 2018 wurde mit Built by All eine weitere visionäre Wohnform beim Salone del Mobile in Mailand gezeigt. 

Text: Andi Teran für FvF Productions

Fotografie: Kenny Hurtado für FvF Productions