Mobilität

Die Hansestadt Hamburg wird Vorreiterin urbaner Mobilität

12. August 2019

Wenn sich die Hamburger und Hamburgerinnen 2021 durch ihre Stadt bewegen, dürfte sich einiges verändert haben und das könnte vielleicht so aussehen: Eine App zeigt den schnellsten Weg von A nach B und den günstigsten Fahrpreis an. Auf dem Weg zur Bahn kann man auch gleich das Ticket kaufen. Autonom fahrende Elektrobusse, Autos und Bahnen bringen ihre Passagiere ans Ziel. Parkplätze werden vernetzt, Ampeln verkürzen Wartezeiten und Shuttle Services kommen auf Anfrage angesaust.

Hamburg hat es sich zum Ziel gesetzt, eine fortschrittliche Modellstadt für eine ganzheitliche Fortbewegung zu werden. Für den internationalen ITS Kongress 2021 treibt die Hansestadt Verkehrsprojekte voran und testet Trends für eine Verkehrswende. Wie viel davon den Kongress überdauert, wird die Zukunft zeigen.

ITS steht für „Intelligente Transportsysteme“ und beschreibt die größte Messe für Experten und Expertinnen aus dem Bereich der urbanen Logistik und Mobilität. Der Kongress findet seit 1994 jährlich statt – abwechselnd in Amerika, Asien und Europa und stellt die großen Fragen: Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus? Was bieten führende Mobilitätsdienstleister? Wie wird sich die Branche entwickeln und welchen Beitrag können Unternehmen, Regionen und Länder leisten? Während die Messe in den letzten Jahren vor allem für internationales Fachpublikum ausgerichtet war, möchte Hamburg, dass die Themen ganz konkret auch in der Stadt spürbar sind. 


Wenn etwas gut funktioniert, dann bleibt es direkt in Hamburg, das ist natürlich toll für die Stadt.

“Der Kongress ist eine super Möglichkeit, einfach Mal Sachen auszuprobieren“, sagt Katja Diehl; die freie Beraterin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Mobilität, Diversität und neuer Arbeit. Das städtische Verkehrsunternehmen HOCHBAHN testet beispielsweise elektrisch angetriebene, fahrerlose Kleinbusse (HEAT) im öffentlichen Straßenverkehr. Dieses Projekt gehört damit zu den ersten weltweit, bei denen das autonome Fahren im urbanen Raum geprobt wird. Parallel dazu wird in Hamburgs Stadtzentrum bis zum Jahr 2020 eine neun Kilometer lange Teststrecke für das automatisierte und vernetzte Fahren eingerichtet.  Intelligente Ampeln kommunizieren dabei über WLAN mit den Fahrzeugen, um für einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen. Auch auf Hamburgs Radwegen sollen intelligente Lösungen für sichere Wege und eine effiziente Auslastung sorgen. „Das finde ich einen wichtigen Gedanken, dass eine Stadt sagt, wir wollen uns dem Thema ganzheitlich widmen. Wenn etwas gut funktioniert, dann bleibt es direkt in Hamburg, das ist natürlich toll für die Stadt“, sagt die Wahlhamburgerin Diehl. 

So unterschiedlich die Projekte für den ITS Kongress sind, so divers sollen auch die Akteure und Akteurinnen sein. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt,  Frauen aus der Digital-, Mobilitäts- und Logistikbranche, junge Talente sowie Start-ups verstärkt in den ITS Kongress zu integrieren“, unterstreicht Andrea Weidinger, die unter anderem für die Ausrichtung des ITS Kongresses zuständig ist und gemeinsam mit Diehl den Women in Mobility Hub in Hamburg leitet. 

In Hamburg, Berlin, München und Köln engagieren sich in jeder Stadt ortsspezifische Gruppen für eine bessere Sichtbarkeit von Frauen in der Mobilitätsbranche. Bei regelmäßigen Treffen und Veranstaltungen bietet das Netzwerk Frauen aus Unternehmen und Startups, Organisationen und Verbänden, aus Medien und Politik eine Plattform zum Netzwerken, für Kooperation und Austausch, wie es auf der Website des Hub heißt. „Es ist total wichtig zu zeigen, dass schon anders gedacht wird und andere Menschen stattfinden, also dass es nicht mehr diese klassische Branche ist, wie sie sich teilweise präsentiert. Man muss schon ignorant sein, wenn man meint, es gibt keine Frauen“, sagt Diehl.  

Wie die Mobilität der Zukunft die Städte verändern wird, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen. Hamburg möchte jedoch bis 2021 Projekte umsetzen und Trends setzen, die  auch auf andere Städte übertragbar sind. Vielfältigkeit, neue Formen von Arbeit und vernetztes Denken sind dafür die Schlagworte oder wie Katja Diehl sagt: „Die größte Kraft für den Mobilitätswandel liegt in der Diversität. Von Menschen und Angeboten.“ 

„The Sooner Now“ ist eine gemeinsame Initiative von MINI Deutschland und Freunde von Freunden. Seit 2016 ergründen gemeinsame Veranstaltungsreihen die Fragen der urbanen Zukunft. Die Online-Plattform „The Sooner Now“ vertieft diese Fragen in Beiträgen über das Stadtleben, seine Zukunft und spannende Köpfe, die heute darüber nachdenken.

Katja Diehl ist freie Beraterin und beschäftigt sich mit Mobilität, neue Formen von Arbeit und Diversität. Gemeinsam mit Andrea Weidinger, Direktorin der ITS Hamburg 2021 GmbH leitet sie den Women in Mobility Hub in Hamburg. 

Sie ist Gast der zweiten Podcast-Folge von The Sooner Now.

Text: Lena Heiß

Photography: Robert Rieger, Uta Gleiser, Aimee Shirley